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liner notes by wolf kampmann (1994)
haette leonardo nicht die gunst seiner maezene errungen, indem er sie mit immer neuen kriegsmaschinen versorgte - wer wuerde heute noch von seinen madonnen sprechen ? "es gibt scherben." magister faustus; anno domini 1994! achim von arnim beschrieb jenen faust in seinen "kronenwaechtern" als verwahrlosten saufbold, der kinder schaendet und nachts auf allen vieren durch den feuchten kot der strassen kraucht. ein faust, der in dieses ausgehende 20. jahrhundert passen koennte, in die zeit, da dem drang nach wissen nichts edles und erhabenes mehr anhaftet, in der es vielmehr zum chique gehoert seine seele satans grosseinkaeufern zu niedrigpreisen feilzubieten. kreischend reiten wir ins inferno, das aufgegebene terrain den kakerlaken ueberlassend. im paradies langweilen sich jene, die ihre tage schon zu lebzeiten nicht zu nutzen verstanden. time is money! wer sein erdendasein nach dem dahinscheiden fortsetzen will, den zieht es in den abgrund, in die ewige verdammnis, die schon dante weitaus farbenpraechtiger schilderte als die freuden seines paradiso. doch seit der platz an der sonne krebs verheisst, quillt die hoelle ueber. nein, die ehre von satanaels lodernden untiefen auf ewig verschlungen zu werden kommt jedem zu. "ich bin ein teil von jener kraft, die stets das boese will und stets das gute schafft."mephistopheles, die schlange im zeitalter von graffiti und cyber-sex, ist waehlerisch geworden. der glaube, wissen sei macht, ist legende. die enzyklopaedisten vermodern auf dem muellhaufen der geistesgeschichte. mephisto jedoch verlangt es nach frischfleisch. gefragt ist das kurze aufflackern des partiell wissenden im rechten moment. im zweiten glied zu warten, um zur passenden zeit als erster zur stelle zu sein, schreibt das gebot der stunde vor. gebot zwei besagt, dass der mitwisser stets gesuender lebt als der entdecker. erkenntnis ist nichts, know-how ist alles. der ewige lethargische gleichlauf der gestirne verglueht im schweif von halleys kometen. die letzte umwertung aller werte steht kurz vor dem abschluss. faust '94! "und manche lieben schatten steigen auf."die musik der elefanten gibt uns etwas verlorengeglaubtes wieder. gleich einem neuen orden wachen sie ueber das faustische wie ueber ein apokryphes kleinod, das bei der kleinsten beruehrung mit den anfechtungen des diesseits zu staub zerfallen koennte. der warme archaische klang von bassklarinette, bassfloete, bariton-, tenor-, alt- und sopransaxophon sowie der klarinette assoziiert die weisheit der jahrtausende, das suggestive zusammenspiel der percussionsinstrumente und der bassgitarre scheint dieses wissen voranzutreiben, die schrille gitarre peitscht von der seite dagegen und die textfragmente formulieren zweifel, stellen fragen, provozieren unklarheiten. oft gewinnt eines dieser elemente die oberhand, verdraengt die anderen, muss sich erst wieder einholen lassen. statik und dynamik ueberlagern sich, altes und neues fuehren ihre heerscharen gegeneinander. "wir nehmen es nicht so genau." die elefanten sind weit davon entfernt "goethes faust" vertonen zu wollen. sie greifen ihn auf, uebertragen seine spirituelle kraft in die prosaische unertraeglichkeit des alltaeglich erfahrbaren hier und jetzt. sie lassen sich herausfordern zum spiel mit der tradition. in der epoche der perfektion ernaehren sie sich gleich eremiten im nintendoland von andeutungen. das relikt wird zum ueberlebensprinzip erhoben. fast zweitausend jahre nach dem voreiligen tod des erloesers nageln die elefanten ihren recycleten faust ans kreuz der verlorenen illusionen. war es nicht auch der halleysche komet, der die geburt christi anzeigte ? weiten tun sich auf, um zu vergehen. faust ist unsterblich. ewig ist nur sein scheitern. |