| die moritat vom saxophonisten
eines nachts im kalten jänner,
(rings die stadt versingt im schnee)
werfen zwei vermummte männer
einen toten in die spree.
dort wo früher seine kehle,
klafft ein tiefer, blutger schlund.
hat versoffen seine seele
ohne hoffnung, ohne grund.
war einst jung und hübsch gewesen,
spielte artig saxophon,
doch trug morgens an den tresen,
was des nachts sein kärglich lohn.
ohne freunde und verwandte
lebte er an diesem platz.
alles, was er jemals kannte,
waren alkohol und jazz.
aus des whiskeys dumpfer laune
brach er völlig ohne sinn
manchen üblen streit vom zaune.
siehe da, nun ist er hin.
machte überall nur schulden,
zahlte niemals was zurück,
schmiß herum mit fremden gulden,
baute immer auf sein glück.
in der schäbigsten spelunke
wurd' er unverhofft gestellt.
ströhmend floß die rote tunke,
fahl verließ er diese welt.
und die moral von der legenden:
jazz macht weltfremd. laß es sein!
willst bei den fischen du nicht enden,
such dir ein weib, bleib nicht allein.
wolf kampmann

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