Long Bio

„Gebhard Ullmann is one of the finest improvising artists in the world today“ (Paul Bley)

Born on november 2, 1957 in Bad Godesberg, German saxophonist (tenor and soprano), bass clarinetist, bass flutist and composer Gebhard Ullmann studied medecine and music in Hamburg and moved to Berlin in 1983.
Since then he has recorded close to 60 CDs as a leader or co-leader for prestigious labels such as Soul Note (Italy), Leo Records (UK), Between The Lines (Germany), CIMP (USA), NotTwo Records (Poland), Clean Feed (Portugal) Intuition Records (Germany), WhyPlayJazz (Germany) and others.

For many years he is considered one of the leading personalities in both the Berlin and international music scenes and has received numerous awards for his work including the Julius Hemphill Composition Award in two categories ('99), the Deutsche Phonoakademie award ('83), one of the first SWF Jazz Awards ('87) the first Berlin Jazz Award (2017) and the nomination best-jazz-CD-of-the-year by the German Schallplattenkritik for his CD Tá Lam in 1995.

His CDs Final Answer (2002) The Bigband Project (2004) New Basement Research (2008) News? No News! (2010) Mingus! (2011) Clarinet Trio 4 (2012) Hat And Shoes (2017) were all listed in Downbeat Magazine among the best CDs of those years. The CD Transatlantic received the prestigious Choc of the French Jazz Magazine in 2012.

Since 2005 Gebhard Ullmann is listed in the Downbeat Critics Poll, 2015 for the first time in three categories.

Since 1993 Ullmann was a recording artist for Soul Note and has been living in New York City and Berlin. He has toured with his music throughout Europe as well as Africa, the Middle East, Canada, New Zealand, the USA, South East Asia, Mexico and China and performed on most of the world's most prestigious jazz festivals.

During the 80's Gebhard Ullmann was a leading force in the musicians' organisation JazzFront Berlin.  Since the mid 90's he had a teaching assignemnt for saxofone and ensemble at the University of Music Hanns Eisler in Berlin for 10+ years. He also held master classes at universities worldwide.
From 2014 - 2018 he was the head of the German Jazz Musicians' Union.

Ullmann's working bands are the transatlantic projects 'Basement Research', 'The Chicago Plan' and 'Conference Call', the Berlin based 'Clarinet Trio', the electro acoustic trio 'Das Kondensat', the worldwide first quarter-tone-piano-quartet 'mikroPULS', the electro/acoustic quintet 'GULFH of Berlin', the low drone project 'BassX3' and his Duo with vocal phenomenon 'Almut Kühne'.

He is a member of the 'Hannes Zerbe Jazz Orchestra', the 'Scott DuBois Quartet', the 'Satoko Fujii Berlin Orchestra', the project of vocalist 'Vesna Pisarovic', works with Russian sax genius 'Alexey Kruglov'.
He currently works on a new Solo Project and writes music for string quartet and orchestra.

Ullmann recorded or performed with Paul Bley, Andy Emler, Steve Swell, Han Bennink, Satoko Fujii, William Parker, Barry Altschul, Herb Robertson, Marvin Smitty Smith, Laurent Cugny, Ellery Eskelin, Bob Moses, Keith Tippett, Frank Gratkowski, Michael Zerang, Fred Lonberg-Holm, Sergeij Starostin, Tiger Okoshi, Bobby Previte, Ernst Ludwig Petrowsky, Glen Moore, Trilok Gurtu, Ab Baars, Andreas Willers, Lauren Newton, Andrew Cyrille, Sylvie Courvoisier, Frank Möbus, Lee Konitz, Alexander v. Schlippenbach, Benoit Achiary, Willem Breuker, Carlos Bica, Enrico Rava, Rita Marcotulli, Bob Stewart, Dieter Glawischnig, Tony Malaby, Günther Lenz, Drew Gress, Michael Rabinowitz, Matt Wilson, Ivo Papasov, the Ensemble Percussion de Guinee, Tyshawn Sorey, Karl Berger, Mark Helias, Gerry Hemingway, Joe Fonda, Michael Stevens, George Schuller, the European Radioorchestra, spoken word artist Sadiq Bey, the actor Otto Sander and many musicians from the Berlin scene as well as many others.

 

DEUTSCH (aus einem Text zu Ullmann's 60. Geburtstag 2017):

Zwei Aspekte charakterisieren Gebhard Ullmanns musikalisches Schaffen, das nun bald 35 Jahre und höchst unterschiedliche Projekte umfasst. Da ist zum einen der entschlossene Stilwillen, der kreative Ideen über Vermarktungsstrategien stellt. Zum anderen die immer wieder verblüffende Balance zwischen Komposition und Improvisation, Struktur und Wagnis. Künstlerische Freiheit, wie Querdenker Ullmann sie definiert, braucht ein klares Konzept, ein substantielles Fundament. Mit diesen Maximen hat sich der Saxophonist, Bassklarinettist und Flötist in Europa wie in den Vereinigten Staaten erfolgreich etabliert. Von Kollegen, Presse und interessiertem Publikum hoch geschätzt, hat Ullmann als Leader oder Co-Leader mehr Alben auf internationalen als auf hiesigen Labels veröffentlicht (24 in Deutschland, 29 in UK, USA, Italien, Polen, Portugal). Hinzu kommen unzählige Produktionen, die er als Sideman bereicherte. Vielfach wurde Ullmann ausgezeichnet, unter anderem mit dem Julius Hemphill Composition Award in den USA, den Preisen der Deutschen Phonoakademie, der deutschen Schallplattenkritik und des SWF, dem französischen Choc des JazzMags. Zudem stand er immer wieder in den Top 10 diverser Bestenlisten, etwa im amerikanischen Downbeat. 2017 erhielt er als erster den Berliner Jazzpreis.

Seine CDs Final Answer (2002) The Bigband Project (2004) New Basement Research (2008) News? No News! (2010) Mingus! (2011) Clarinet Trio 4 (2012) Hat And Shoes (2017) wurden alle im Downbeat mit 4 bis 5 Sternen bewertet und waren unter den Jahresbesten des jeweiligen Jahres.

Bonn - Hamburg - Berlin - New York: Stationen einer langen Laufbahn

Wer als Jugendlicher in Bonn Querflöte statt Gitarre, Klavier oder Schlagzeug spielt, hebt sich schon klar vom Mainstream ab. Zunächst lernte Gebhard Ullmann klassisches Repertoire und folgte damit der Familientradition. „Alle spielten nach Noten, nur ich wollte improvisieren“, grinst er rückblickend. Mit zwei Schulfreunden besuchte Ullmann Konzerte von Neutönern wie Penderecki, später auch das Moers Festival; parallel dazu hörte er stilprägende Bands der britischen Canterbury- und Progressive-Szene und deutschen Krautrock, Genesis, Robert Fripp, Soft Machine, Can und Amon Düül. Mit manchen späteren Stars wie Queen hing er nach deren Gigs am Tresen. „Selbst wenn sie eine halbe Stunde lang frei improvisierten, waren diese Bands total angesagt“, fasst Ullmann einen wesentlichen Unterschied zur heute populären Musik zusammen. Nach dem Abi zog es ihn an die Uni in Hamburg, gleichzeitig wechselte er von Flöte zu Saxophon. Das Medizinstudium erwies sich als Irrweg, nicht zuletzt wegen der hierarchischen Strukturen. Ullmann schrieb sich im Modellversuch Popularmusik der Hamburger Hochschule ein und „lernte dort viele Leute kennen.

1983 ging's weiter nach Berlin, um Profi zu werden. „Zu der Zeit spielte ich etwa sieben bis acht Blasinstrumente, darunter eine Klarinette Benny Goodmans, die ich von Herb Geller bekam.“ Vielseitig zu sein hilft bei der Jobsuche. Drei Monate nach seiner Ankunft hatte sich Ullmann in Berlin etabliert und konnte von der Musik leben. Es sollte auch nicht mehr lange dauern, bis er an der Seite prominenter Kollegen spielte, etwa Enrico Rava und Paul Bley. Gleichzeitig entwickelte Ullmann einen enormen Schaffensdrang, gründete bzw. beteiligte sich an diversen Formationen, mit denen er bis zu vier Alben jährlich herausbrachte. Besonders das Silent Jazz Ensemble und die Minimal Kids feierten bemerkenswerte Erfolge. Daneben übernahm Ullmann auch noch eine führende Rolle in der Musikerinitiative JazzFront Berlin.

1990 wurde ein enorm wichtiges Jahr, eine Art Wendepunkt. Ullmann begann, zugunsten künstlerischer Herausforderungen und Risiken, aus allen kommerziell orientierten Projekten auszusteigen. Ein Arbeitsstipendium der Stadt Berlin brachte ihn nach New York, das seine zweite Heimat werden sollte. Er spielte erste Konzerte in der legendären Knitting Factory und entdeckte parallel dazu die Bassklarinette für sich. In den folgenden 11 Jahren führte Gebhard Ullmann eine Art transatlantisches Doppelleben, arbeitete hier wie dort, live und im Studio mit herausragenden Künstlern. Es entstanden individualistische, weithin gefeierte Gruppen. So verblüffte die deutsche Formation Ta Lam über 24 Jahre hinweg durch die Kombination von bis zu 10 Holzbläsern mit Akkordeon. Ebenso lange existiert nun das mehrfach umbesetzte Ensemble Basement Research, ehedem mit Ellery Eskelin, Tony Malaby, Drew Gress, Phil Haynes und John Hébert, aktuell mit Julian Argüelles (bari sax), Steve Swell (Posaune), Pascal Niggenkemper (b) und Gerald Cleaver (dr). Das singuläre Trio BassX3 präsentierte 2005 sein Debütalbum, neben Ullmann (Bassklarinette und -Flöte) brillieren hier Chris Dahlgren und Clayton Thomas an Kontrabässen und Objekten. Manche weiteren Projekte Ullmanns waren interdisziplinär angelegt, etwa literarisch mit Otto Sander. Zudem komponiert er für Film und Ensembles der Neuen Musik. Wichtig beim Schreiben sei, durch Kontrapunkte und Abstraktionen Spannung zu erzeugen, betont Ullmann. In welchem Kontext auch immer, stets geht es Ullmann um „eine kompositorische und spielerische Vielfalt, die bei mehrfachem Hören noch neues entdecken lässt.“

Gebhard Ullmanns Arbeitsdrang gehört zu seinem Naturell wie sein Interesse an anderen Ländern und neuen Impulsen. Mit seiner Musik hat er sämtliche Kontinente besucht, von Afrika und Nahost über Südostasien bis Australien. Darüber hinaus ist Ullmann auch privat gerne lange und intensiv unterwegs, um die Geheimnisse der jeweiligen Orte zu entdecken. „Wenn ich eine Pause machen will, muss ich einen Flug buchen“, grinst der sportliche Musiker. Seine physische Präsenz setzt sich natürlich in seinem Spiel fort, früher noch mehr als heute. „Bei Konzerten mit Die Elefanten sind wir fast immer mit Pfeifen in den Ohren von der Bühne gekommen. Im Grunde war aber schon damals mein Ziel, nicht überzukochen, weil dann der spezifische Ausdruck verschwimmt.“ Heute köchelt Ullmann seine Crescendi länger und entwickelt dadurch noch kräftigere Buketts.

Seit dreieinhalb Dekaden ist Gebhard Ullmann für Überraschungen gut. Erfahrungen sieht er als probates Mittel, Ziele schneller erreichen zu können, Routine vermeidet er durchs Ausprobieren neuer Ideen und Umgehung ausgetretener Pfade. Seinen Antrieb, künstlerisch vorwärts zu kommen, hat sich Ullmann bis heute bewahrt. „Man will ja was bewegen“, sinniert er, „vielleicht können wir mit unserer Musik sogar die Welt ein klein wenig zum Positiven verändern. Je nach dem, wie und welche Musik man hört, verändert sich sicher auch das Bewusstsein. Im Idealfall reicht diese Veränderung womöglich über die Musik hinaus.“